Line Boogaerts, Mirjam Elburn, Pee Groß, Silke Krah, Angela Kühner, Thomas Kuhn, Sandra Letzing, Emmie Sophie Micheln, Thomas Volkmann, Johanna Winkelgrund

Zeitraum der Veranstaltung
Freitag, 21. Juli 2017 - Sonntag, 30. Juli 2017



Beschreibung der Veranstaltung
10 Künstler bespielen leer stehende und genutzte Ladenlokale der Plettenberger Innenstadt, darunter Grünestraße 3 (ehem. Central-Café) und Wilhelmstraße 24 (Architektur-Büro Gärtner):
Line Boogaerts (Glasmalerei/Performance)
Mirjam Elburn (Haarobjekte)
Pee Groß (Installation)
Silke Krah (Holzobjekte)
Angela Kühner (Grafik)
Thomas Kuhn (Objekte)
Sandra Letzing (Installation)
Emmie Sophie Micheln (Objekte)
Thomas Volkmann (Malerei/Zeichnung)
Johanna Winkelgrund (Malerei/Zeichnung/Druckgrafik)



Veranstaltungsort
Innenstadt Plettenberg in mehreren Ladenlokalen

Hinweise zur Veranstaltung
Die belgische Multimedia-Künstlerin Line Boogaerts wird beispielsweise die beiden großflächigen Fenster des Architekturbüros Gärtner Wilhelmstraße 24 während der Ausstellungseröffnung bemalen. Sie bezieht sich bei ihrer Motivwahl auf die Arbeiten des Architekten. In denselben Räumen zeigt der mehrfach mit Kunstpreisen ausgezeichnete Thomas Kuhn unter anderem seine Glasobjekte. Er arbeitet mit den Gegensätzen von Material und dargestellten Objekten. Ein verbogener Dübel inklusive Schraube wird beispielsweise aus hochwertigem Silber gefertigt, Brotschreiben aus Blei, Styropor aus Glas.

Für die Installation von Pee Groß muss man sich in den Keller unter dem Architekturbüro Gärtner begeben. An diesem beengenden, dunklen Ort erwartet den Besucher ein Werk, das an David Lynch-Ästhetik erinnert, was in jedem Betrachter eine andere Assoziation weckt.

Mirjam Elburns Arbeiten konfrontieren uns dagegen oft mit Dingen, die wir so nicht erwartet haben. Haare - eines der wohl bekanntesten Materialien in Mirjam Elburns Arbeit - sind zum einen alltäglich und dennoch ein sehr persönliches Thema. Selbst abgeschnitten scheinen sie einen Teil der Persönlichkeit mitzunehmen, weswegen sie in vielen Kulturen eine magische Zutat sind. Oft erscheint Haar am Körper lebendig, losgelöst davon tot. Die Haare in Mirjam Elburns Arbeiten scheinen hier so gar nicht tot, sondern recht lebendig, sie wuchern geradezu aus dem Papier heraus.

Gegenstände, Lebewesen, Beziehungen obliegen der ständigen Veränderung bis hin zum Tod bzw. bis zu deren Zerfall. Dies ist ein Ansatz, den Sandra Letzing in ihren Arbeiten - egal ob Malerei, Fotografie oder Skulptur - aufgreift und weiterführt. Der ästhetische Reiz von Müll, alten und vergessenen Gegenständen oder verfallenden Gebäuden, sind wiederkehrende Thematiken. Kartonagen, Plastikverpackungen und Gegenstände dienen zum einen als Maluntergrund oder werden zum Sujet für Leinwand, Kamera und Objekt. Sandra Letzing zeigt die Komplexität von Schönheit und Vergänglichkeit und stellt eine Verbindung her zwischen uns und dem uns umgebenden Wohlstandsmüll.

Es wäre vorschnell, Silke Krah als eine künstlerisch emsige Spaßmacherin zu verstehen. Dazu weiß sie zuviel von den Schräglagen des Lebens, und so ist sie daran interessiert, unterschiedliche Gesellschaftskonventionen und andere politische und unpolitische Lagen auszuloten. Das Spielen mit und die Verschiebungen von Wirklichkeiten und Perspektiven sind ihre Parameter. In Plettenberg zeigt sie unter anderem ihre Holz-Waffen, die sowohl an Spielzeug als auch an Kindersoldaten erinnern.

Thomas Volkmann zeigt figurative, expressive Malerei und Collagen. Eine Assoziationskette aus Literatur, Mythologie und Kunstgeschichte wird in wuchtigen Pinselstrichen mit collageartigen Eingriffen und diversen Zitaten verwoben. Ein auf den ersten Blick verwirrend erscheinender Kosmos erschließt sich, sobald man sich darauf einlässt.

Emmie Sophie Micheln präsentiert Objekte, die sie aus Heiligenbildern montiert hat. Sie sagt dazu: "Die Anmutung von Heiligenbildern übt eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Wenn sie schon ein Leben hatten, bevor sie zu mir gelangt sind, wenn sie Spuren tragen von Menschen, die irgendetwas in ihnen sahen. Die Schönheit, die ich in ihnen sehe, berührt mich tief und ich kann mich lange im Betrachten verlieren. In Verbindung mit Worten, die ich in ihnen gesucht habe, ergibt sich etwas, für das ich den Namen Sankt Synästhesia fand. Eine ganz eigentümliche Vermischung. Die Worte sind mir überall auf meinen Wegen begegnet, haben ihrerseits ein Leben, ihre eigene Magie. Sie und auch die Heiligenbilder können alleine für sich stehen. Doch zueinander gestellt, ergibt sich eine andere Bedeutung mit größerer Spannweite."

Betrachtet man Arbeiten von der aktuellen Stipendiatin, Angela Kühner, kann man die Bewegung im Raum und auf der Fläche nachvollziehen. Die Betrachter/innen werden dazu eingeladen, einen "Stimmungsraum" zu betreten, der sich aus Linien und Flächen zusammensetzt und entfaltet. Gewohnte Formate werden dabei erweitert und überschritten, die Arbeiten etnstehen unter der Einbeziehung des öffentlichen Raumes oder des Ausstellungsraumes.
Abhängig von der eigenen Positionierung verändert sich der (Bild-)Raum und lädt dazu ein, sein eigenes Gefühl, seine eigenen Gedanken zu einem Thema, der Arbeit im Augenblick der Betrachtung zu vervollständigen. Kennzeichnend für die Arbeiten von Angela Kühner ist eine stete Veränderung der Dynamik und des Erscheinungsbildes der Linie, abhängig von der Stimmung und der inhaltlichen Grundlage der Künstlerin. Die Linie als künstlerisches Ausdrucksmittel - ein Ergebnis maximaler Reduzierung der eigenen Zeichensprache.
Häufig arbeitet Angela Kühner in mehreren Medien gleichzeitig; so entstehen neben raumgreifenden Arbeiten Zeichnungen, Malerei und Druck(grafiken). In der Betrachtung trifft man auf architektonisch anmutende Linienkonfigurationen und Figuren oder Ideen von Mustern, Andeutungen, die dazu einladen, ein eigenes Bild zu kreieren.

„Kinder im Cafe, ein Augenblick auf dem Rummel, eine Figur am Strand oder in der Straßenbahn, die Ecke eines Zimmers: Johanna Winkelgrund entwirft mit ihren Bildern Szenen, die dem Alltag abgetrotzt sind. Aufgeschnappt im Vorübergehen oder in beharrlicher Beobachtung zur durchdachten Komposition verdichtet… erfasst sie das Individuum pauschal, baut es in verschiedenen Haltungen zueinander in den Raum, sei es im Innenraum oder in der freien Natur… doch sind ihre Schöpfungen beredtes Zeugnis der Vereinzelung des Menschen in der heutigen Zeit, in der die Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen im begrenzten Raum separierter Mikrokosmen (Freundeskreis, Familie, Beruf) mehr vereinzeln als miteinander verbinden…“
(Auszug „en passant - Versuch über die Malerin Johanna Winkelgrund“ von Thomas Staudt; Leipzig, Kunsthistoriker und Journalist)